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Solange ich denken kann, habe ich mich für meine Wurzeln interessiert. Wenn mein Vater uns Geschichten von früher, als er noch ein Junge war erzählte, hörte ich begeistert zu. Die Familie meines Vaters pflegte ein sehr inniges Verhältnis untereinander, man besuchte sich oft gegenseitig und meistens wurde bei diesen Treffen auch über "daheim" gesprochen. |
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![]() Bahnhof |
Ich habe mir immer gewünscht, dieses Katsch auch einmal zu sehen, wo mein Vater geboren wurde und einen Teil seiner Kindheit verbracht hatte. Im Jahr 1967 war es dann endlich soweit, wir fuhren nach Katsch. Mein Bruder war damals 3, ich selbst war 8 Jahre alt. Die Reise mit dem Zug durch Deutschland über Österreich nach Belgrad dauerte sehr lange, in Belgrad bestiegen wir dann einen Zug nach Katsch. Der Zug war ziemlich voll, wir hatten fast keinen Platz und es roch nach allem Möglichem. |
| Dann kamen wir müde und geschafft in Katsch an. Wir mussten ein gutes Stück mit unserem Gepäck durch den Ort laufen. Hier und da bewegte sich eine Gardine oder es standen Leute auf der Straße, die uns misstrauisch nachschauten. Die Blicke spüre ich heute noch. Es war ein ziemlich komisches Gefühl, so als wäre man in einer anderen Zeit gelandet. Die Straßen waren nicht geteert, die Häuser ärmlich. Truthühner und Gänse liefen auf der Straße herum, es war heiß und staubig. |
![]() STEVE'S HAUS |
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Dann kamen wir beim Haus eines früheren Spielkameraden meines Vaters an. Die Begrüßung war sehr herzlich, die ganze Familie kam, besonders wir Kinder wurden gedrückt und ich weiß nicht wie oft auf die Wangen geküsst. Mein Vater umarmte seinen Freund, die beiden sprachen in einer mir fremden Sprache miteinander. Wir hatten Durst und von der langen Fahrt auch ziemlichen Hunger. Schnell wurden auf der Veranda noch Stühle an den Tisch herangeschoben, wir setzten uns und dann wurde erst mal aufgetischt. Es gab leckere, mit Marmelade gefüllte Hörnchen, süße Limonade und natürlich durfte auch der Slibowitz als Begrüßungstrunk nicht fehlen. |
| Die nächsten zwei Wochen verbrachten wir dann bei dem Freund meines Vaters. Besonders für uns Kinder war der Aufenthalt in Katsch einfach paradiesisch! Morgens raus aus den Federn, in der Sommerküche wurde dann gefrühstückt. Es gab süßen Milchkaffee in einem Suppenteller und selbstgebackenes Brot. Den ganzen Tag durften wir barfuß herumlaufen, morgens wurden die Gänse auf die Straße geschickt und abends wieder eingesammelt. Wir tollten mit den anderen Kindern im Heu herum, aßen Kukuruz und Aprikosen. |
![]() STEVE |
| Im Verlaufe des Aufenthalts in Katsch zeigte uns mein Vater auch das Haus, das seine Eltern gebaut hatten und in dem er 1932 geboren worden war. Natürlich konnte ich mir damals noch nichts darunter vorstellen, was es bedeutet, innerhalb weniger Stunden alles zusammenraffen zu müssen und den Ort zu verlassen, an dem man sein ganzes bisheriges Leben verbracht hat. Wir lernten auch frühere Nachbarn und ehemalige Spielkameraden meines Vaters kennen. | Überall wurden wir herzlich aufgenommen, ob wir auch gern gesehene Gäste waren? Später hat mein Vater oft erzählt, dass man ihn bei dem Besuch damals gefragt hat, ob er zurückgekommen sei, um sein Eigentum zurück zu verlangen. Für mich waren diese beiden Wochen ein unvergessliches Erlebnis und ich denke noch immer gern daran zurück, auch wenn inzwischen über 30 Jahre vergangen sind. |